Raketenmädchen I

Es gibt ein Foto aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Man sieht darauf zwei Männer in weißen Kitteln auf einem Feld, jeder von ihnen hat eine kleine Rakete geschultert. (Rudolf Nebel und Wernher von Braun auf dem ‚Raketenflugplatz‘ in Berlin-Reinickendorf 1930.)

Die Männer in den weißen Kitteln sind Wissenschaftlern, sie sind auch sehr ernst, aber ihre Raketen sehen eher wie Spielzeug aus. Dadurch das die Szene im Freien spielt, auf einer Art Brachland, wirkt sie etwas surreal. Der Kittel des jüngeren Mannes ist über und über mit etwas Dunklem beschmiert, aber darunter trägt er Hemd und Krawatte und eine Anzugshose. Seine Frisur sitzt akkurat, sein Gesicht ist das, was man wohl markant nennt. Auch wenn man nicht wüßte, wer er ist, sähe man, daß er mit sehr großem Eifer bei der Sache ist. Es ist der Raketenkonstrukteur Wernher von Braun.

Die Fotos der Raketenmädchen, Jahrzehnte später, funktionieren nach dem Umkehrprinzip. Die Mädchen sind heiter und friedlich und die Raketen, mit denen sie spielen, sind aus Holz. Die Bilder versuchen, im Sinne der Quasi-Analogien der melanesischen Cargo-Kulte durch die Nachahmung einer kriegerischen Technologie der Vergangenheit, die Vorstellung einer schöneren Zukunft zu beschwören.





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