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Drei Darstellungen einer Zitrone nebeneinander: als Fotografie, als botanische Zeichnung und als 3D-Modell.

KI im Gestaltungsprozess

Generative KI gehört zu unserem Alltag. Nicht als Abkürzung, nicht als Ersatz — sondern als Werkzeug im Prozess. Sie hilft, frühe Gedanken sichtbar zu machen, Varianten zu prüfen, Richtungen anzutesten. Ich vermute, die meisten von uns nutzen aktuell die KI.

Die Probleme sehen wir: Generative Systeme neigen zu ästhetischer Gleichförmigkeit, transportieren stereotype Bilder und verbrauchen viel Energie. Die Trainingsdaten wurden der kollektiven Kreativität - uns allen - entnommen und werden nun als Algorithmus an uns zurückverkauft. Das ist eine reale Ungerechtigkeit und kein Randnotiz.

Kein Cargokult, kein Schreckgespenst

In der öffentlichen Debatte erscheint KI oft in zwei Extremen: als Verheißung oder als Bedrohung. Unsere Praxis ist unspektakulärer. Wir nutzen KI dort, wo sie Prozesse öffnet, nicht schließt. In frühen Projektphasen: wenn visuelle Richtungen noch offen sind. Bei der Variantenbildung: wenn Unterschiede schnell sichtbar werden sollen. Bei der Verdichtung: wenn vage Vorstellungen früher schärfer werden sollen.

Was sie nicht ersetzt, ist das Wesentliche: Einordnung, Reduktion, Auswahl, Urteil.
Denn ein Bild ist nicht gut, weil es schnell entstand. Und nicht schlecht, weil es eine Maschine erzeugt hat. Ein Fotografie oder eine Illustration ist aber auch nicht deshalb wertvoll, weil sie per Hand erstellt wurde. Es zählt die Wirkung.

Leises Fazit

KI bevorzugt das Wahrscheinliche, und das ist manchmal auch OK so. Sie glättet Unterschiede, reproduziert Bekanntes, macht Oberflächen gefällig — und macht Entscheidungen dadurch leicht fehlerhaft. Besonders dort, wo Geschlechterrollen, Körperbilder oder soziale Repräsentation mitschwingen, ist Wachsamkeit keine Option, sondern Teil der gestalterischen Verantwortung.

Wir arbeiten seit über zwanzig Jahren mit Bildern, wir können diese Verantwortung tragen. Dies ist der Grund, warum wir KI nutzen — und der Grund, warum wir es nicht unkritisch tun.

Themen

Digital Kultur Generative KI

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veröffentlicht am 08.05.2026